Greenwashing: So täuschen dich Firmen! 9 Fiese Tricks, Lügen und Fakes

Was heißt Greenwashing?

Greenwashing (engl., “grün waschen”) hast du irgendwie, irgendwann, irgendwo bestimmt schon einmal gehört. Was sich anhört, wie der neueste Shit, ist genau das – in geistiger Hinsicht. Warum ich an dieser Stelle kein Blatt vor den Mund nehme? Weil es gefährlich, ekelhaft und feige ist. Ja, das ist Greenwashing.

Eine etwas offiziellere Definition findest du im Wirtschaftslexikon auf gabler.de. Danach steht Greenwashing für den Versuch von Unternehmen, sich selbst mittels Marketing- und Public Relations-Arbeit (PR) einen grünen Stempel aufzudrücken. Kennzeichnend dafür sei es vor allem, dass eigentlich gar keine Maßnahmen ergriffen würden, die das rechtfertigen. (zum Gabler Wirtschaftslexikon)

Anders gesagt: Greenwashing ist Lügen. Meiner Meinung nach sogar ganz klarer Betrug. Auf jeden Fall “Etikettenschwindel”. Aber wie machen diese Unternehmen das und welche Möglichkeiten hast du?

Warum ist Greenwashing so schlecht?

Mittlerweile haben sich verschiedene Arten herauskristallisiert, wie Unternehmen versuchen, dir ein grünes Image vorzugaukeln. Oft so geschickt, dass man dazu geneigt ist, Bewunderung oder zumindest Anerkennung dafür zu empfinden.

Eines haben wir Menschen alle gemeinsam: Wir lernen durch Wiederholung. Und wir schauen uns Dinge, die wir gut finden, öfter und aufmerksamer an. Auch Werbung zählt dazu. Oder Interviews mit Menschen. Was uns zusagt, nehmen wir gerne an. Gleichzeitig definieren wir uns stark über Marken, Namen und Produkte. Das ist normal. Und ausnutzbar.

In den letzten Jahren haben wir vermehrt realisiert und akzeptiert, dass wir bewusster mit unserer Welt umgehen müssen. Viele Menschen suchen direkt oder indirekt nach Möglichkeiten, ihren negativen Fußabdruck auf dieser Welt zu verkleinern. Für viele bleibt der beste Weg, von Nachhaltigen Unternehmen zu kaufen und Firmen zu beauftragen, die der Umwelt helfen. Quasi als passive Umwelt-Verbesserer. Und genau auf diese Menschen haben es findige Werbe-Designer und PR-Propheten abgesehen. So fühlen sich schon manche fast als Umwelt-Aktivist, nur weil sie Produkt XY der Konkurrenz vorziehen. Außer einem Werbe-Etat brauchen Firmen dafür nichts. Vor allem keine Nachhaltigkeitskonzepte oder auch nur ein Fünkchen Anstand. Letzteres würde hier eventuell sogar stören.

Im Endeffekt konsumierst du munter dieses eine Mineralwasser, weil es grün ist und die Firma dahinter ganz tolle Umweltvorgaben hat. Ohne es zu wissen, finanzierst du damit aktiv die skrupellosesten Formen der Ausbeutung.

Aber schau dir einfach selbst an, was sie sich haben einfallen lassen, damit du dich gut dabei fühlst.

Die Top 10 Greenwashing-Lügen

Der Name macht’s: Es muss Bio heißen

Eine der beliebtesten und einfachsten Anwendungen des Greenwashings ist es, den Produktnamen um Begriff wie Natur oder Bio zu erweitern. Der Klassiker “Bio-Kosmetik”. Denn solcherlei Begriffe sind gesetzlich nicht oder nur unzureichend reglementiert.

Inhaltsstoff-Angaben “optimieren

Produkte werden gerne auf einen aktuell ganz arg gehypten nachhaltigen oder ökoliebsamen Inhaltsstoff reduziert. In der Kosmik ist “Honig” wichtig. Die Hauptsache hier: Ein fetter Schriftzug auf der Packung “mit 100 % natürlichem Honig”. Gelogen ist es ja nicht unbedingt. Ja, der Honig ist zu 100 % natürlich. Aber: Neben Stoffen, die in Naturkosmetik verboten sind, findest du aber nur einen Mini-Anteil Honig. Falls du die winzige Auflistung von Inhaltsstoffen überhaupt lesen kannst.

Grüne Kostümierung

Kennst du die “Bio”-Regale im Supermarkt? Alles in grüner oder altpapier-brauner Verpackung. Es gibt mittlerweile aber auch im “normalen” Segment viele Produkte, die plötzlich im grünen Gewand daher kommen. Auch bekannte “Kindersnacks” hat man schon in grüner Verpackung vorgefunden, anstatt im üblichen rot-weißen Gewand. Inhaltlich das Gleiche, aber es sieht dann viel natürlicher aus. Außerdem sei nun Joghurt drin. “Muss ja gesund sein”, denken da viele vorschnell. Der Blick auf die Nähwertangaben und Inhaltsstoffe dürfte dann ernüchternd ausfallen. Denn es spielt keine Rolle, ob du Joghurt mit 50 % Zucker mischst, oder aus Milchpulver gepantschten Brei mit 50 % Zucker.

Nicht widerlegbare Behauptungen

Nimm ein Produkt, dass alle brauchen und bezeichne es als besonders effizient im Energieverbrauch. Du kannst dich darauf verlassen, dass der Großteil der Kunden das nicht überprüfen kann. Andererseits gibst du ja auch keine Vergleichswerte an. Oder du sagst “effizienter im Vergleich zu einem xbeliebigen Produkt”, dessen Effizienzwerte auch keiner kennt. Insofern erübrigt sich jede Überprüfung. Das schöne ist, nicht zu jedem Verbrauchsartikel gibt es offizielle Studien, also kann dir niemand etwas anderes beweisen.

99 % natürliche Inhaltsstoffe

Ja! Das ist großartig! So ein mit Chemie vollgepumptes Gesichtswasser besteht zu 99 % aus Wasser. Das ist natürlichen Ursprungs. Also kann man guten Gewissens ein Produkt mit 99 % natürlichen Inhaltsstoffen anbieten. Zumindest rechtlich gesehen.

Lügen-Lables – falsche Lables für Siegel-Fetischisten

Ja, es gibt sie, die unabhängigen Prüfsiegel rund um Nachhaltigkeit. Noch öfter gibt es aber erfundene Siegel und jene von Lobby- und Industrieverbänden. Ich selbst störe mich regelmäßig am “DLG”-Siegel. Die DLG hat nämlich überhaupt nichts mit Umweltschutz und Nahrungsmittel-Klarheit zu tun. Es ist ein Interessenverband der Landwirtschaft. Aber des sieht schön aus: Goldfarben mit Schriftzug “Deutsche Lebensmittel-Gesellschaft”. Dabei haben die Jung gar nichts mit Gesellschaft am Hut. Und staatlich ist die Organisation auch nicht – denken aber viele. Dazu kommen noch unzählige Siegel, die sich einzelne Konzerte selbst ausdenken. Hauptsache es sieht aus, wie eine Auszeichnung.

Genauso verhält es sich mit “kontrolliertem Vertragsanbau” und ähnlichen Formulierungen. Das ist kein Gütesiegel, sondern liegt in der Natur der Sache. Wer oder was da kontrolliert wird, geht aus der Angabe nicht hervor. Ach so: Es ist auch keine andere Formulierung für “Bio”.

Leere Worte mit großer Wirkung

Letztens habe ich wieder Spraydosen mit dem großen roten Hinweis “FCKW-frei” gesehen. Super Sache. Doof nur, dass FCKW bereits seit 1991 verboten ist. Und zwar weltweit. Aber es zieht, denn in den meisten Köpfen ist nur “FCKW = böse”. Mehr nicht. Also ein Kaufargument für unbedarfte Weltverbesserer.

Wer dreister lügt, kommt besser an

Ja, es gibt auch die, die ganz unverblümt lügen und zum Beispiel “echte” Bio-Siegel auf Produkten anbringen, die es gar nicht tragen dürfen. Wenn das raus kommt wird es ungemütlich für die Firma. Wenn es aber gut läuft, hat sich das Produkt schon etabliert und wird künftig ohne das Siegel auskommen. Den Image-Schaden gleicht das Unternehmen einfach mit den oben genannten Methoden aus. Das funktioniert, weil die Informationen zum Skandal im Chaos aus Medien und Meldungen ohnehin versanden. Der Konsument erfährt davon nur beiläufig und vergisst es schnell wieder.

Die Königsdisziplin: Deep Greenwash

Unternehmen mit einer bestimmten Machtstellung, oder deren Lobbyverbände, können auch direkt beim Problemmacher, dem Gesetzgeber, ansetzen. Sie nisten sich in der Regierung ein und beeinflussen direkt Gesetze und Verordnungen. Oft werden sie verwässert oder manchmal ganz abgeschafft.

Gibt’s nicht? Doch, das ist leider an der Tagesordnung. In den USA hat Trump am 16. Februar zum Beispiel verfügt, dass Kohleunternehmen wieder ungestört ihre Abfälle/ Abwasser direkt in Flüsse und Seen leiten dürfen. Dazu wurde schlichtweg ein Gesetz aus dem Weg geräumt. (Quelle: Greenpeace-Magazin).

Auch hierzulande machen sich Großkonzerne mit Einfluss in der Politik breit. Coca Cola untergräbt zum Beispiel die Lüneburger Heide und pumpt das Grundwasser aus dem Boden. Für ein natürliches Mineralwasser namens “Vio” (z. B. bei Land und Forst nachzulesen)

Fremde Federn sind auch dekorativ

Wenn es mit dem Lobbyismus nicht klappt, gibt’s noch eine Möglichkeit, mit der sich Unternehmen ein positives Image ergaunern. Normale technologische Entwicklungen werden als Eigenleistung verkauft, wie auch das Einhaltung bestimmter CO2-Emissionsgrenzen, die gesetzlich geregelt sind. Ja, es ist gut, wenn sich Unternehmen an die CO2-Grenzwerte halten. De facto bleibt ihnen aber auch nichts anderes übrig (wenn die Lobbyarbeit nicht stimmt). Dennoch macht es sich gut, nochmal auf reduzierten CO2-Ausstoß hinzuweisen.

Zusammenfassung Greenwashing

Aus den oben genannten Punkten dürfte schnell klar werden: Die Unternehmen bewegen sich gekonnt am Rande des Erlaubten. Sie geben viel Geld für Marketing- und Rechtsberater aus, um das Maximum aus dem Greenwashing-Prozess herauszuholen. Tu dir und der Umwelt also einen Gefallen: Schau genau hin, stelle Fragen. Vor allem solltest du vorsichtig sein, wenn nicht direkt überprüfbare Behauptungen angestellt werden. Wenn Effizienz-Angaben belastbar sind, wird man sie dir so geben, dass sie einer Überprüfung standhalten können.

Ob grüngewaschene Waren oder ganze Konzerne: Du kannst sie direkt abstrafen. Kaufe die Produkte nicht. Und erzähle es weiter, wenn dir so etwas auffällt. Melde es am besten auch bei Öko-Test oder der Verbraucherzentrale, wenn du denkst, dass z. B. Siegel missbraucht oder bewusst falsche Angaben gemacht wurden.

Um konsequent zu sein, solltest du hier jedoch nicht nur einzelne Produkte meiden, sondern das gesamte Sortiment der entsprechenden Firma. Ich gebe zu, wenn man sich den Umfang der Marken des Nestlé-Konzerns anschaut, wird die Luft dünn. Hier Alternativen für dich zu finden, ist deine tägliche Aufgabe im Einsatz für mehr Nachhaltigkeit.

Einen interessanten Artikel zum Thema Nachhaltigkeit und Massentierhaltung findest du hier.

Erzähl mir bitte mehr!

Wie sind deine Erkenntnisse bzw. Erfahrungen mit Greenwashing? Hast du bestimmte Beispiele, auf die ich vielleicht noch zusätzlich eingehen soll Gerne mache ich eine ganze Enzyklopädie daraus.

2 thoughts on “Greenwashing: So täuschen dich Firmen! 9 Fiese Tricks, Lügen und Fakes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Please reload

Bitte warten...